Macht und Ohnmacht der Worte

Hallo Ihr Lieben,

ich melde mich zurück mit einem Thema, welches mich seit einiger Zeit doch sehr beschäftigt. Da ich mich immer mehr mit dem Thema Kommunikation und Gesprächen bzw. Gesprächstechniken auseinandersetze, kam mir letztens diese Überschrift in den Sinn.

Worte besitzen teilweise eine sehr große Macht, nicht nur über uns, sondern über Situationen oder sogar über Beziehungen. Ob das nun Bezeichnungen sind wie: Heuchler, Verräter, Arschkriecher, Mimose oder einfach Worte die genutzt werden um etwas zu definieren: behindert, sinnlos, dämlich, sensibel. In diesen gewählten Beispielen wird eine Herabwürdigung deutlich, obwohl sie teilweise nur eine Tatsache beschreiben. Heute wird viel im negativen Kontext gebraucht. Niemand möchte so bezeichnet werden oder so etwas über seine Beiträge gesagt bekommen. Und dennoch benutzen wir diese Worte oder (über)hören sie täglich. Mit Worten kann ein Mensch verletzen und verletzt werden. Sie sind so mächtig, dass sie ganze Beziehungen kaputt machen können, sei es eine Liebesbeziehung oder eine familiäre Beziehungen. Nicht mal eine Ohrfeige ist schmerzvoller als gesagt zu bekommen, man sei nichts wert oder nur eine Last. Oder das Kind sei kein Wunschkind gewesen sondern nur ein „dummer Zufall“. So etwas tut weh und ich frage mich manchmal ob uns eigentlich bewusst ist WAS wir da teilweise von uns geben.

Eine Mutter sagte zu ihrem Kind beim Arzt, es solle sich nicht so anstellen. Ich erinnerte mich da an meine Ängste beim Arzt zurück. Ob das nun eine Spritze war, oder die Angst vor dem Zahnarzt, weil er wieder bohren würde. Diese Angst war real und vielleicht hätte sich diese Kind auch nicht so „angestellt“, wenn es keine Angst hätte, wenn die Mutter ihm Mut zugesprochen hätte und es ermuntert hätte. Warum sagte diese Mutter das zu ihrem Kind. Hatte sie Angst davor schief angeschaut zu werden, von den anderen Wartenden?, oder vom Arzt selbst?, oder war ihr die Angst des eigenen Kindes peinlich? – und wenn ja warum? Ich habe es nicht begriffen.

Ich möchte auch ernst genommen werden. Ich unterrichte Schüler in einer Berufsschule, natürlich muss ich da ernst genommen werden. Ich sollte so eine Horde Schüler „im Griff“ haben (allein diese Wortwahl übt schon Gewalt aus).  Dennoch drückt mir meine jetzige Zahnärztin ein Plüschtier in die Hand und ich bin ihr dankbar dafür. Ich schäme mich nicht dafür und ich veranschauliche meinen Schülern gern genau daran, wie wichtig es ist Ängste wahrzunehmen. Und auch meine Worte haben Macht im Unterricht. Ich bin nicht autoritär aber ich bin offen. Offen mit Worten und Beispielen, gern aus der eigenen Erfahrung. Ich muss mit gutem Beispiel voran gehen und mich öffnen, wenn ich das von den Schülern auch erwarte. Manche würden sagen, ich mache mich lächerlich, weil ich Handpuppen benutze, oder mittanze zu den Liedern und mitsinge. Aber ich erwarte es doch auch von den Schülern, wenn ich mich „lächerlich“ machen würde, dann würden es die Schüler auch tun und jeder Erzieher in der Kita oder im Hort auch. Und auch wenn mir nicht alle Schüler zuhören, so erreiche ich doch Viele und ich meine zu wissen, dass ich gerade wegen der Ehrlichkeit und Authentizität und meinen Worten respektiert werde.

Obwohl sie soviel Macht besitzen, können sie die schlimmsten Dinge nicht verhindern. In Streitigkeiten können wir versuchen zu schlichten, aber manchmal nutzen die besten Kompromisse nichts. Die beste Entschuldigung kann nicht angenommen werden, wenn die Tat so schwerwiegend war. Worte die vorher große Macht besessen haben, können durch andere Worte nicht unbedingt revidiert werden. Wer hat es nicht schon erlebt, dass er etwas gesagt hat und es ihm sofort leid getan hat. Aber es war zu spät. Es war bereits gesagt. Der Andere hat es bereits gehört und verstanden und verarbeitet. Alle anderen Worte, welche ich danach vorbringe, werden es nicht ungeschehen machen. In dem Fall sind die Worte ohne Macht. Wir werden nicht unbedingt Beziehungen kitten, Menschen retten, Häuser bauen, indem wir nur darüber reden. Aber wir können damit beginnen einen Plan zu entwerfen, mit Worten.

„Macht“ heißt auch Hoffnung und Trost zu spenden: Worte eines Arztes zu einem Patienten, dass es Hoffnung gibt. Worte einer Mutter zu ihrem Kind dass es etwas Wunderbares ist. Oder das Gefühl beim ersten „Ich liebe dich“.  Alles das verdanken wir Worten.

Nutzen wir die positive Macht der Worte. Achten wir im Alltag mehr darauf was wir sagen und wie wir welche Worte verwenden. Seien wir Achtsam im Umgang damit und aufmerksam, wie sich Situationen dadurch verändern.

In diesem Sinne, viele Worte und Gespräche euch diese Woche,

eure Mare.

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Die Fragen der Eltern

Noch bevor Eltern Eltern sind, geht ihnen vermutlich der eine oder andere Gedanke bezüglich der möglichen Kinder durch den Kopf.

Wie wird es sein?

Nach wem wird es kommen?

Werde ich das schaffen?

Ich möchte hier nicht mal einen Unterschied zwischen Männern und Frauen vornehmen. Das würde keinem der Geschlechter gerecht werden. Männer und Frauen machen sich gleich viele Gedanken. Nur eben auf eine unterschiedliche Art und Weise.

Die zukünftigen Mütter denken vermutlich laut und leise, richten sich häuslich ein, bauen sich ein Nest. Sie gehen erste Sachen kaufen, erstes Spielzeug. Sie wählen Wandfarben und Möbel aus. Wenn noch nicht alles gekauft wird, so haben viele der Frauen aber vermutlich bereits konkrete Vorstellungen, wie alles einmal aussehen soll. Sie reagieren gereizt, wenn sich zeigt, dass irgendetwas davon nicht so umzusetzen geht, wie sie es sich ausgemalt haben. Nicht unbedingt nur wegen der Hormone, sondern sehr wahrscheinlich weil etwas, nämlich der geringste Teil der Planbarkeit des Elterndaseins, schon nicht funktioniert.

Wie soll das erst werden, wenn das Kind dann da ist?

Werde ich versagen?

Was ist richtig, was ist falsch?

Sie philosophieren über Namen und Aussehen um sich und auch die Anderen vor den beängstigenden Gedanken, was da auf sie zukommen wird, abzulenken. Der Zwiespalt zwischen Freude und Angst bringt sie sehr wahrscheinlich in ein, zum Zerreißen nahes, Spannungsfeld der Gefühle.

Die zukünftigen Männer denken eventuell nur leise. Sie denken nur für sich, damit es nicht auffällt, dass sie vielleicht Angst haben vor dem was sie erwartet. Sie erleben sich vielleicht als Beiwerk. Sie fahren ihre Frauen einkaufen. Sie malern das Zimmer und bauen die Möbel auf. Sie versuchen die Frauen zu beruhigen, wenn es eben nicht ganz so ist, wie diese es sich vorgestellt hat. Sie versuchen das Spannungsfeld aus Freude und Angst auszuhalten. Und auch wenn wir in einer Zeit leben, in der auch die Männer Freude daran haben einkaufen zu gehen und die Frauen die Möbel aufbauen, so sind die Männer eben nur dabei und nicht mittendrin, also halten diese sich zurück und hoffen vielleicht dass sie nicht durchschaut werden.

Was soll ich machen?

Wie soll ich mich verhalten?

Was ist richtig, was ist falsch?

Sie halten sich bedeckt. Vielleicht spüren sie, dass selbst die Frauen, die sonst unerschütterlich in ihrem Leben stehen, in Zweifel geraten. Selbst wenn es nicht ausgesprochen wird, so steht es doch im Raum zwischen ihnen.

Also, warum reden wir nicht miteinander? Warum gestehen wir nicht einander unsere Ängste? Viele haben sich bereits für ein gemeinsames Leben entschieden, haben sich vielleicht auch ganz bewusst für ein Kind entschieden. Dann sollte es doch auch möglich sein über eventuell sogar gemeinsame Ängste, Befürchtungen aber auch Freude und Hoffnung zu reden. Oder nicht?