Du bist das, was du bist

Hallo ihr Lieben,

Heute hatte ich einmal wieder eine Debatte über die Benutzung von Worten, Ausdrücken und Wortbedeutungen. Die Beschreibung der eigenen Person oder anderer Menschen, egal ob Kindern oder Erwachsenen scheint Vielen schwerer zu fallen als ich gedacht hatte. Wir sind so darauf aus uns zu vergleichen, uns besser darzustellen als den Anderen, beziehungsweise die Fehler und Schwächen des Anderen herauszuarbeiten, dass wir oft genug vergessen einfachste Tatsachen und Begebenheiten positiv zu bewerten. Ich habe in meinen Beiträgen Macht und Ohnmacht der Worte , sowie Die Fragen über das Berufsleben und darüber hinaus schon darüber berichtet.  Heute soll es aber um die Formulierungen gehen. Begonnen bei den Aufforderungen den Kleinsten gegenüber mit:

Fall nicht hin!

Pass auf, dass du dir nicht wehtust!

Seid nicht so laut!

wird deutlich, dass alle Phrasen Verneinungen, „wohlgemeinte“ Ratschläge oder (vermeintlich reine) Aufforderungen beinhalten. Die Art der Formulierung ist auf die negativen Aspekte fokussiert („nicht“). Davon mal abgesehen, dass es für Kinder eine größere Denkleistung erfordert den Ausspruch zu analysieren und dechiffrieren, bleibt „fallen“, „wehtun“ und „laut“ im Gedächtnis des Kindes. Statt wohlwollender Motivation, wird das Kind gehemmt. Das heißt nicht, dass das Kind laut sein darf. Aber die Frage ist doch, wie transportiere ich das mit: „Sei nicht so laut“ oder „Sei leiser“. Es ist klar strukturiert, die Aufgabe leicht verständlich. Die anderen beiden Phrasen, sollten sich gleich gespart werden, denn beides wird durch die Aufforderung nicht verhindert, weder das hinfallen, aber erst recht nicht das wehtun (als ob das Kind das beeinflussen könnte). Wenn die Entwicklung von Kindern beschrieben wird, sollte es auch vorrangig darum gehen zu beschreiben, was das Kind kann, nicht was es nicht oder noch nicht kann. So ist es wesentlich präziser zu beschreiben, dass das Kind den Löffel in der linken Hand mit der Faust hält,  als zu verdeutlichen,  dass das Kind den Löffel noch nicht zwischen den Fingern halten kann. Erst einmal unabhängig des Alters ist es notwendig zu begreifen, dass die Leistung des Kindes im Vordergrund steht. Es geht auch in erster Linie nicht darum wie gut es etwas im Vergleich zu Anderen kann. Ein weiteres Beispiel: Lea kann die Matheaufgaben noch nicht so schnell rechnen, wie der Rest ihrer Klasse.  Wichtig und herauszustellen ist doch aber in erster Linie, dass sie rechnet. Alles andere demotiviert das Kind, bis an den Punkt,  das es gar nicht mehr rechnet, aus Angst zu versagen.

Bei Jugendlichen verhält es sich nicht anders.

Komm nicht zu spät nach Hause!

Sei nicht so frech!

Das bestimmst nicht du!

Jeder kennt diese Aussprüche, ob nun selbst zu seiner Jugendzeit gehört, oder jetzt selbst verwendet, zumindest sind sie allgegenwärtig. Davon mal abgesehen, dass es immer wichtig ist, wertschätzend zu bleiben und mit Ich-Botschaften zu kommunizieren, steht hier vor allem wieder der negative Aspekt im Vordergrund. Es signalisiert die Erwartungshaltung, dass sich der Jugendliche an bestimmte Sachen nicht hält. Mit dem letzten Ausspruch wird der Jugendliche sogar entmündigt. Mitspracherecht ist eines der grundlegendsten Prinzipien, die sogar rechtlich verankert ist (Deutsches Institut für Menschenrechte). Selbst das SGB VIII sieht die Mitsprache bei Kinder/Jugendlichen bei der Mitbestimmung der jeweiligen Hilfe als rechtlich zu garantieren(SGB VIII, §8). Jugendliche befinden sich in einem Lebensabschnitt, der geprägt ist, sich mit sich selbst zurechtzukommen und sich vom Elternhaus zu lösen. So etwas verläuft selten reibungslos. Dennoch sollte darauf geachtet werden, dass auch die Jugendlichen selber ein gewisses Maß an Mitsprache erhalten. Dafür ist es notwendig gemeinsame Regeln festzuhalten und zu überlegen, was passiert, wenn diese Regeln nicht eingehalten werden. Das gemeinsame Erarbeiten, hat den Vorteil, dass es für alle Beteiligten klar ist und jeder damit einverstanden ist. Die Regeln wären folglich: „Du bist in der Woche bis 21 Uhr und am Wochenende bis 23 Uhr zu Hause.“ (abhängig vom Alter); „Das hat mich jetzt verärgert, ich würde mir mehr Respekt wünschen. Wir hatten vereinbart, dass gegenseitiger Respekt wichtig ist.“, „Ich kann verstehen, dass du gern zu Hause bleiben möchtest, während wir in den Urlaub fahren, mir ist aber der Urlaub als Familie wichtig. Es geht nicht darum dich zu kontrollieren. Ich möchte dich einfach dabei haben, weil ich ohne dich nicht entspannen könnte. Ich würde mir nur Sorgen machen und dauernd auf das Telefon starren und einen Anruf erwarten.“ Es ist wichtig, dem Gegenüber klarzumachen, was in Einem vorgeht. Welche Gedankengänge man selber hat, nur so lassen sich Entscheidungen auch für die andere Seite nachvollziehen und es ist möglich Kompromisse zu finden. Aber viel wichtiger ist auch, trauen Sie dem Jugendlichen etwas zu. Argwohn und Skepsis helfen in solchen Situationen nicht weiter.

Wie sieht es aus, wenn Erwachsene sich begegnen? Der Wunsch sich zu vergleichen, ist viel ausgeprägter. Kinder messen sich, weil sie es gesagt bekommen. Jugendliche messen sich, weil es zu ihrer Entwicklungsaufgabe gehört. Es ist Teil von Ihnen um sich selbst besser kennenzulernen. Erwachsene vergleichen sich, um sich besser zu fühlen. Das Gegenüber wird klein gemacht um über die eigenen Unzulänglichkeiten hinweg zu täuschen.

Du hast das noch nicht gemacht?

Du hast das noch nicht ausprobiert?

Was das hast du noch nicht?

Auf Arbeit erlebt man sich nicht immer als gleichwertigen Kollegen, sondern eventuell als Konkurrenten für die nächste Aufgabe. Das eigene Ego möchte auch nicht zulassen, das man anderen Menschen in Etwas nachsteht. Wir können uns kaum mit uns zufrieden geben, da wir zum Einen ein Stück weit so erzogen wurden. – Es gab immer Richtlinien und Normen, an denen die Kinder gemessen wurden ohne individuelle Hintergründe zu berücksichtigen. Zum Anderen weil unser Umfeld uns suggeriert, dass wir etwas falsch machen bzw. wie wir zu sein haben. – Seien es die neusten Trends in der Mode, noch das Idealgewicht, noch die neuste Haarfarbe. Wir sollen uns Zeit für uns nehmen, uns etwas wert sein und uns ausspannen, aber bitte nur mit den angepriesenen Produkten. Es gibt immer neue Möglichkeiten. Jedes Jahr kommt ein neues Handy auf den Markt und wer etwas auf sich hält, legt es sich zu. Oder er tut es nur um von Anderen als genau so ein Mensch gesehen zu werden, oder weil er weiß, dass Wert auf Äußerlichkeiten und Konsum gelegt wird, weil sich viele Menschen mittlerweile damit identifizieren. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Persönlichkeit einiger Menschen nur mit Besitz auszufüllen ist. Geht der Besitz verloren, bleibt Nichts, nicht einmal mehr die eigene Person.

Es sollte immer leicht sein, die eigenen Kinder, egal wie alt sie sind, zu lieben und zu akzeptieren, so wie sie sind, auch wenn ihre Handlungen uns Angst und Bange machen und uns graue Haare wachsen lassen. Es ist nicht einfach damit anzufangen sich selbst zu mögen, mit sich auszukommen und so zu sein wie man ist. Niemand hat gesagt, dass das Leben mit sich und anderen Menschen leicht ist. Aber sich ein Stück davon zu befreien, was Andere denken könnten, wie sie über uns denken, oder über unsere Kinder, macht das Leben ein Stück leichter. Und wenn wir den Punkt überwunden haben, fällt dem Einen oder Anderen vielleicht aus der Vogelperspektive auf, wie unnötig und eingeengt so ein auferlegter Zwang, vor Allem von uns selbst, ist.

Jeder ist so wie er ist, nicht so wie er nicht ist und auch nicht so, wie andere ihn gern haben möchten. Notwendig für uns ist, dass wir andere Menschen aber auch so akzeptieren, wie sie sind.

Seid, wie ihr seid.

Eure Mare

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Die Fragen der Eltern

Noch bevor Eltern Eltern sind, geht ihnen vermutlich der eine oder andere Gedanke bezüglich der möglichen Kinder durch den Kopf.

Wie wird es sein?

Nach wem wird es kommen?

Werde ich das schaffen?

Ich möchte hier nicht mal einen Unterschied zwischen Männern und Frauen vornehmen. Das würde keinem der Geschlechter gerecht werden. Männer und Frauen machen sich gleich viele Gedanken. Nur eben auf eine unterschiedliche Art und Weise.

Die zukünftigen Mütter denken vermutlich laut und leise, richten sich häuslich ein, bauen sich ein Nest. Sie gehen erste Sachen kaufen, erstes Spielzeug. Sie wählen Wandfarben und Möbel aus. Wenn noch nicht alles gekauft wird, so haben viele der Frauen aber vermutlich bereits konkrete Vorstellungen, wie alles einmal aussehen soll. Sie reagieren gereizt, wenn sich zeigt, dass irgendetwas davon nicht so umzusetzen geht, wie sie es sich ausgemalt haben. Nicht unbedingt nur wegen der Hormone, sondern sehr wahrscheinlich weil etwas, nämlich der geringste Teil der Planbarkeit des Elterndaseins, schon nicht funktioniert.

Wie soll das erst werden, wenn das Kind dann da ist?

Werde ich versagen?

Was ist richtig, was ist falsch?

Sie philosophieren über Namen und Aussehen um sich und auch die Anderen vor den beängstigenden Gedanken, was da auf sie zukommen wird, abzulenken. Der Zwiespalt zwischen Freude und Angst bringt sie sehr wahrscheinlich in ein, zum Zerreißen nahes, Spannungsfeld der Gefühle.

Die zukünftigen Männer denken eventuell nur leise. Sie denken nur für sich, damit es nicht auffällt, dass sie vielleicht Angst haben vor dem was sie erwartet. Sie erleben sich vielleicht als Beiwerk. Sie fahren ihre Frauen einkaufen. Sie malern das Zimmer und bauen die Möbel auf. Sie versuchen die Frauen zu beruhigen, wenn es eben nicht ganz so ist, wie diese es sich vorgestellt hat. Sie versuchen das Spannungsfeld aus Freude und Angst auszuhalten. Und auch wenn wir in einer Zeit leben, in der auch die Männer Freude daran haben einkaufen zu gehen und die Frauen die Möbel aufbauen, so sind die Männer eben nur dabei und nicht mittendrin, also halten diese sich zurück und hoffen vielleicht dass sie nicht durchschaut werden.

Was soll ich machen?

Wie soll ich mich verhalten?

Was ist richtig, was ist falsch?

Sie halten sich bedeckt. Vielleicht spüren sie, dass selbst die Frauen, die sonst unerschütterlich in ihrem Leben stehen, in Zweifel geraten. Selbst wenn es nicht ausgesprochen wird, so steht es doch im Raum zwischen ihnen.

Also, warum reden wir nicht miteinander? Warum gestehen wir nicht einander unsere Ängste? Viele haben sich bereits für ein gemeinsames Leben entschieden, haben sich vielleicht auch ganz bewusst für ein Kind entschieden. Dann sollte es doch auch möglich sein über eventuell sogar gemeinsame Ängste, Befürchtungen aber auch Freude und Hoffnung zu reden. Oder nicht?